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„Gott
braucht Menschen.“
So hieß ein
französischer Film, der längst aus den Kinos verschwunden ist, mir aber noch
eindrucksvoll in Erinnerung ist.
In einem Fischerdorf
starb der Pfarrer. Die Gemeinde blieb einige Zeit unversorgt. Keine Messe,
keine Kommunion (Abendmahl) und keine Predigt mehr. Am Sonntag morgen trafen
sich die Christen traurig vor der Tür der Kirche und ließen die Köpfe
hängen.
Da wurde ein
Fischer, ein kerniger Typ, sozusagen vom Heiligen Geist gepackt und auf die
Kanzel geführt. Er handelte nicht aus Arroganz, sondern weil er überzeugt
war, dass Gottes heiliges Wort gepredigt werden müsse. Auch wenn es dafür
keine bischöfliche Genehmigung gab, es musste gepredigt werden. Nach inneren
Seelenkämpfen eröffnete er den Gottesdienst. Man sang die alten Lieder, die
Augen der Frauen und Männer leuchteten auf. Die Regie ließ es hell werden in
der Kirche.
Und dann stieg der
Fischer zuerst mit schwankenden Schritten, doch dann ganz fest auf die
Kanzel. Er begründete seinen inneren Auftrag und begann mit seiner Predigt.
Welch eine Predigt ! Zuerst stockte seine Sprache noch, er war eher ein
stiller Typ, aber dann kam die Predigt gewaltig aus seinem Herzen und seinem
Mund. Ich erinnere mich, dass mich dieser Film damals noch lange bewegte. Es
war eine starke Predigt. Mann nennt solche Predigten in der Sprache des
Glaubens „vollmächtig“. Menschen werden von Gott ergriffen und tun etwas,
was ganz neu ist in ihrem Leben. „Christus hat mich ergriffen“, sagt Paulus
einmal.
Gott braucht
Menschen.
Wir brauchen
Gott, das ist der Grundton des Glaubens in den verschiedenen Konfessionen
und Kirchen. Wir brauchen Gott, damit wir die Vergebung erfahren, damit wir
die Gewissheit des Glaubens bekommen und eine Hoffnung erhalten, die auch
über die Grenze des Sterbens hinaus gilt. Immer sind wir hilfsbedürftig und
auf Gott angewiesen. Was wären wir auch ohne Gottes Zuwendung. Alles o. k.,
daran soll nicht gerüttelt werden. Wir brauchen Gott.
Doch wann
hören wir einmal die sozusagen umgedrehte Wahrheit. Sie könnte uns eine ganz
neue Beziehung zu Gott und zum Glauben geben.
Mancher
könnte aufhorchen, wenn er begreift, dass er gebraucht wird. Nicht um sich
bei Gott wichtig zu machen, wohl aber, dass er brauchbar wird für Gott.
Von Anfang
redet die Bibel davon. „Macht euch die Erde untertan und herrschet über sie“
heißt ganz vorne in der Bibel nach der Schöpfungsgeschichte. „Geht hin in
alle Welt und verkündigt das Evangelium allen Menschen“, hat Jesus gesagt.
„Erwecke die Begabung, die in dir ist“, schreibt Paulus an seinen jungen
Freund Timotheus.
Diese Linie
reicht bis heute weiter. Ganz direkt gesagt: Wir sind faule Menschen, wenn
wir nur für uns verbrauchen, was uns an Leib, Seele und Geist gegeben wurde.
Wir sind nicht in der Spur des Lebens, wie es sein sollte. Wir haben nicht
begriffen, wie froh jemand werden kann, wenn er seine Lebensspur, seinen
Arbeitsplatz, seinen Auftrag in der Geschichte seines Lebens gefunden hat.
Das ist in allen Berufen und Lebenszeiten nötig und möglich. Es ist
unabhängig von unseren Berufen nötig, doch gerade auch mitten in den Berufen
und Aufgaben, in die uns das Leben gestellt hat. Nicht nur Pfarrer sind
„Geistliche“, jeder Christ hat einen geistlichen Auftrag. Spirituell leben,
ein Stichwort zum Weiterdenken.
Gott
braucht Studenten und Studentinnen, die sich zu ihm unter den Kommilitonen
bekennen. Nicht mit frommen Sprüchen, wohl aber mit Erfahrungen und
Argumenten.
Gott
braucht Mediziner auf allen Ebenen, die ihren Beruf als von Gott gegebene
Aufgabe verstehen. Ich weiß von Chirurgen, die vor jeder OP für einige
Sekunden ganz still werden und beten.
Gott
braucht Mütter und Väter, die ihren Kindern den Glauben vorleben. Nicht als
Idealgestalten, das sind wir alle nicht, sondern auch in Krisen und doch mit
einer tiefen Freude, die aus der inneren Gemeinschaft mit Christus stammt.
Gott
braucht Politiker in allen Parteien, die es spüren lassen, dass sie eine
sehr tiefe Basis in sich tragen. Wo die Grundlagen ihres Lebens zu finden
sind. Politik ist ein oft hartes Geschäft, da geht es ohne Konflikte und
Auseinandersetzungen nicht ab, doch es kann in Worten und Taten etwas
spürbar werden vom Glauben dieser Christen in der Politik.
Vielleicht
ist dieser Gedanke - „Gott braucht mich, er will mich als seinen
Mitarbeiter, seine Mitarbeiterin haben“ - für nicht wenige ein Anreiz, ganz
neu über ein neues und interessantes Leben nachzudenken. Über den
lebendigen Glauben wie wir auch einmal nennen dürfen.
Sich Gott
bewusst zur Verfügung stellen. Jeden Tag und jede Stunde. Weil ich ein
Berufener bin. Das wäre eine ganz neue Art zu leben.
Johannes
Hansen
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